Kategorien Aus der Geschichte

Erinnerung Roter Berg: Der erste Mai als „Tag der Arbeit“

Der Holocaust-Überlebende Alfred Moos (Bildmitte) bei einer Demonstration am 1. Mai 1982; Archiv DZOK

Der Staatskommissar für die Ulmer Stadtverwaltung und spätere Oberbürgermeister Friedrich Förster spricht als NSDAP-Funktionär am 1. Mai 1933 im Ulmer Stadion; Archiv DZOK

Propagandistische Inszenierung des Eingangs des KZ Oberer Kuhberg zum 1. Mai 1934; Archiv DZOK

Silvester Lechner am Info-Stand des DZOK anlässlich des 1. Mai 2000 auf dem Münsterplatz; Archiv DZOK

Die Tradition, den 1. Mai eines jeden Jahres als „Tag der Arbeit“ zu begehen stammt ursprünglich aus der nordamerikanischen Arbeiterbewegung. Hier wurde der 1. Mai als Tag des Generalstreiks zur Erkämpfung des Achtstundentages ausgerufen.

Nachdem der 1. Mai auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen, einem Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen wurde, fanden an diesem Tag erstmals 1890 auf der ganzen Welt Streiks und Demonstrationen statt. Damit ist der 1. Mai traditionell ein Tag der Arbeiterbewegung, die historisch stark von sozialistischen Strömungen geprägt war.

In Deutschland wurde der 1. Mai erst unter den Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Der „Tag der nationalen Arbeit“ wurde für nationalsozialistische Zwecken umgedeutet. Es ging nicht darum, die Rechte der Arbeiter*innen zu stärken, sondern Arbeiter*innenverbände zu entmachten und die Mitglieder der „Volksgemeinschaft“ auf Zugehörigkeit einzustimmen. Die Gewerkschaften als eigentliche Vertreter der deutschen Arbeiterschaft wurden unmittelbar nach den 1. Mai-Feierlichkeiten 1933 zerschlagen oder gleichgeschaltet, einflussreiche Gewerkschaftsfunktionäre verfolgt und in die Frühen KZ gesperrt – so auch am Heuberg und später am Oberen Kuhberg in Ulm.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der 1. Mai in der BRD und der DDR als gesetzlicher Feiertag beibehalten. Die Deutungshoheit über den 1. Mai, als Tag der Arbeiterschaft und Arbeiter*innenrechte, hat sich die Arbeiterschaft seit Ende des Nationalsozialismus zurückerobert. Gewerkschaften und soziale Bewegungen prägen bis heute die Ausgestaltung des Maifeiertags.

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