Als Notunterkunft für Menschen ohne Wohnung gedacht, lebten am Roten Berg in Söflingen bis weit in die 1930er Jahren auch Sinti-Familien auf der Durchreise oder für längere Zeit. Am 10. Mai 1932 wurde im Hauptregister der Geburten in Ulm die Geburt eines Kindes mit Namen Willi angezeigt, „von der Helene Eckstein geb. Köhler, Ehefrau des Musikers Karl Eckstein, beide ohne festen Wohnsitz, zur Zeit wohnhaft beim Roten Berg in Söflingen, vorübergehend auf der Durchreise“. Die Ecksteins waren eng verbunden mit anderen Sinti-Musikerfamilien. Laut der Auschwitz-Überlebenden Philomena Franz, Karls Nichte, zogen sie gemeinsam mit dem Wohnwagen umher und wohnten freiwillig oder unfreiwillig längere Zeit im Wohnwagen an bestimmten Orten. Am Roten Berg haben sie sicherlich öfter Halt gemacht oder sind auch länger geblieben.
Nach dem im Dezember 1938 von Reichsführer SS Heinrich Himmler verfügten Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“, der auf die vollständige Erfassung und spätere Aussonderung der Betroffenen abzielte, wurde das Reisen für Sinti zunehmend gefährlich. Anfang der 1940er Jahren lebten die Ecksteins an verschiedenen Adressen in Heilbronn. Philomena Franz berichtete, dass Helene Eckstein schon 1941 deportiert wurde. Im März 1943 wurde dann die ganze Familie nach Auschwitz verschleppt. In der Zeit zwischen August und Dezember wurden sie dort ermordet.
Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.

