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Erinnerung Roter Berg: „Schwamberghausen“ – Siedlung für sozial Ausgegrenzte

Stadtarchiv Ulm

Stadtarchiv Ulm

Am westlichen Stadtrand von Ulm befindet sich heute das Wohngebiet Roter Berg. In den 1920er und 1930er Jahren lag dieses Gelände noch außerhalb der Stadt und war ein Ort der Ausgrenzung und Isolation.

Die Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg führten im ganzen Land zu sozialer Not und extremer Armut in der Bevölkerung – so auch in Ulm. Auf die daraus resultierende Gefahr von Obdachlosigkeit reagierte der Ulmer Gemeinderat mit Plänen zur Errichtung von „Wohnbaracken“. Am 10. November 1926 fasste die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat – gegen die Stimmen der linken Opposition – den Beschluss, am Roten Berg eine Wohnsiedlung für Obdachlose, sozial Benachteiligte und Ausgegrenzte zu errichten. Anstelle der zunächst angedachten „Wohnbaracken“ wurden noch günstigere, ausrangierte Eisenbahnwagons als Unterkünfte aufgestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung lebten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen. Im Volksmund hieß die Siedlung nach dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Emil Schwammberger rasch abwertend „Schwammberghausen“.

Der Standort fernab jeglicher Nachbarschaft am Stadtrand war absichtlich gewählt. Die als „asozial“ Stigmatisierten sollten aus der Innenstadt ferngehalten und die Kontrolle durch Polizei und Sozialbehörden erleichtert werden. Die Einrichtung derartiger Siedlungen stellte in der Weimarer Republik ein weit verbreitetes Instrument der Sozial- und Wohnungspolitik dar. Im Nationalsozialismus wurden Ausgrenzung und Verfolgung weiter verschärft und „Asoziale“ auch in Ulm als „gemeinschaftsfremd“ stigmatisiert und teils in Arbeits- und Konzentrationslager deportiert. 1944 löste die Stadt die Siedlung auf.

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