Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg

NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morde (läuft)

Kranke und behinderte Menschen gehörten auch in Ulm zu den Verfolgten des Nationalsozialismus. Sie galten als „Belastung für die deutsche Volksgemeinschaft“. 1.155 Menschen aus Stadt und Region wurden nach einem Beschluss des Erbgesundheitsgerichts Ulm zwangsweise sterilisiert. Mindestens 183 Menschen aus Ulm wurden als „lebensunwert“ ermordet. Die Opfer und ihre Angehörigen fanden nach 1945 kaum Unterstützung. Die Erinnerung an sie war über Jahrzehnte tabuisiert.

Ulmer Bürger*innen setzten sich in einem Initiativkreis gemeinsam mit dem DZOK und mit Unterstützung der Stadt Ulm, des Landes Baden-Württemberg und des Landgerichts für die Errichtung eines würdigen Informations- und Gedenkorts ein. Es ist das erste Projekt in einer baden-württembergischen Stadt, das die Forschungs- und Erinnerungsarbeit zu Euthanasie-Verbrechen erweitert und in Verbindung setzt mit den bisher kaum wahrgenommenen Zwangssterilisierungen im NS. Neu ist auch, ein solches Erinnerungszeichen an einem Gericht als historischem Tatort und im öffentlichen Raum zu errichten, um die Verstrickung der Justiz- und Medizinbehörden zu thematisieren.

Das Erinnerungszeichen wurde am 27. Oktober 2019 am Ulmer Landgericht, dem ehemaligen Sitz des Erbgesundheitsgerichts, eingeweiht. Ein umfangreiches Begleitprogramm und ein Gedenkbuch bieten vielfältige Informationen und thematische Anknüpfungspunkte in die Gegenwart.

Weitere Informationen

Nicola Wenge: Das Ulmer Erinnerungsprojekt im Überblick. Mitteilungen 70/2019

Gudrun Silberzahn-Jandt: Menschen und nicht nur Opfer. Mitteilungen 70/2019

Begleitprogramm anlässlich der Einweihung des Erinnerungszeichens