Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg

Entnazifizierung unter amerikanischer Besatzung: 1945-1948

Infotafeln der Sonderausstellung im Dokuzentrum

Fotograf: Gerhard Braun

Die US-Militärregierung betreibt eine strikte Entnazifizierungspolitik, um die Gesellschaft von allen Einflüssen des Nationalsozialismus zu befreien. NS-Funktionsträger werden verfolgt und NS-Symbole aus dem öffentlichen Raum entfernt. Außerdem wird ein städtischer Beirat aus unbelasteten Personen eingerichtet, der den im Juni 1945 eingesetzten Oberbürgermeister Robert Scholl beraten soll. Auch gesellschaftlich werden antinazistische Zeichen gesetzt: Erste Vorträge zum Nationalsozialismus sollen ein Umdenken bewirken. Zu diesem Zweck wird die Bevölkerung auch in Filmen und Presseberichten mit den NS-Verbrechen konfrontiert.

Gedenkfeiern und Gesten der Wiedergutmachung würdigen die Opfer des Faschismus bereits 1945. KZ-Überlebende gründen eine Betreuungsstelle für die notwendige materielle Soforthilfe. Sie fordern wie die Gewerkschaften und die neu formierten Arbeiterparteien SPD und KPD einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Politischen Zündstoff birgt eine Verfügung der Militärregierung vom April 1945, alle NS-Belasteten aus der Stadtverwaltung zu entlassen. Im März 1946 übergibt die Militärregierung die Entnazifizierung in deutsche Hände. Den kommenden Spruchkammerverfahren sehen Tausende Ulmer entgegen. Die Verfahren bilden eine „Schleuse“ für den Übergang in die sich gerade erst formierende Demokratie.