Die Söhne Wilhelm, Reinhold, Emil und August: Kommunisten und überzeugte Gegner des Naziregimes

Am 20.4.1933 wurden drei der Brüder, nämlich Wilhelm, Reinhold und August, im Zuge von Hitlers „Machtergreifung“ verhaftet und in das KZ Heuberg eingeliefert. August kam nach ca. sechs Monaten, Reinhold am 20.3.1934 (aus dem KZ Kuhberg) frei. Für Wilhelm begann – mit einer kleinen Unterbrechung – eine Haftzeit von insgesamt 138 Monaten. Emil arbeitete in Berlin und entkam so zu diesem Zeitpunkt den Nazi-Schergen.

Wilhelm Bechtle in den 50er Jahren, A-DZOK, Bechtle 2003

„… was kann man tun in unserer Zeit, als den Kopf mutig hochhalten ...“
Wilhelm Bechtle, Gefangener in den drei württembergischen KZs

Er erlernte den Beruf des Gärtners. Er wurde zunächst Mitglied im KJVD (Kommunistischer Jugendverband Deutschlands) und trat mit 16 Jahren, 1922, der KPD bei. Ab 1932 war er hauptamtlicher Sekretär der Stuttgarter Parteiorganisation.
Während seiner Haft auf dem Heuberg (ab April 1933) wurde Wilhelm zusammen mit anderen kommunistischen Häftlingen für die Zeit vom 20.5. bis zum 10.11.1933 in das Garnisonsgefängnis Ulm verlegt.
Während dieser Haft in Ulm bekam Wilhelm Besuch von seiner jüngsten Schwester Hermine. Sie erinnert sich im Jahr 2004: „Wie es zu der Besuchserlaubnis kam, weiß ich nicht mehr. Im Garnisonsgefängnis wurde ich in einen Raum geführt und recht schnell haben

 

sie dann Wilhelm gebracht. Wir saßen uns an einem Tisch gegenüber und im Hintergrund saß ein Beamter, so dass wir nicht frei reden konnten und auch nicht durften. Es wurde also nur über die Familie gesprochen. Er hat sich über den Besuch sehr gefreut. In den nachfolgenden Jahren durfte Wilhelm  keinen Besuch mehr empfangen.“
Anschließend war er bis etwa Weihnachten 1933 wieder am Heuberg und wurde dann in das KZ Oberer Kuhberg verlegt, wo er bis 10. 11. 1934 eingekerkert war.
Nach seiner Freilassung eröffnete er in Stuttgart einen Gemüseladen. Er arbeitete weiterhin illegal für die KPD und wurde deshalb am 10.5.1935 erneut verhaftet. Es folgten 26 MonateUntersuchungshaft in Ludwigsburg.
Während dieser Zeit rief er einmal seiner auf der Straße stehenden Schwester Mathilde aus dem Zellenfenster zu, dass er alles, was Reinhold vorgeworfen wurde auf sich genommen hätte. Leider konnte er Reinhold dadurch nicht retten.
Schließlich wurde Wilhelm zu einer Zuchthausstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Einmal durfte er in Begleitung zweier Beamter seine im Sterben liegende Mutter im Krankenhaus in Stuttgart besuchen.
1940 wurde er ins KZ Welzheim verlegt, wo er als Gärtner arbeiten musste. Seine Schwester Hermine reichte über die Gestapo in Stuttgart beim Welzheimer Lagerkomman-danten Buck ein Gnadengesuch ein, das aber keinen Erfolg hatte.
Im April 1945 wurde das KZ Welzheim aufgelöst; in einem Todesmarsch wurden 47 Gefangene gezwungen bis zum Bodensee zu laufen. Darunter war auch Wilhelm. Er überlebte den Marsch, auf dem Rückweg nach Löchgau besuchte er seine Schwester Hermine an ihrem damaligen Wohnort Bissingen.
In allen drei württembergischen Konzentrationslagern hatte es Wilhelm mit dem KZ-Kommandanten Karl Buck zu tun. Als eine Art Welzheimer „Stammhäftling“ musste Wilhelm für ihn privat Gärten anlegen und pflegen. Gefiel seine Arbeit Buck nicht, wurde er in den Bunker eingesperrt.
Auf dem Oberen Kuhberg war Wilhelm u. a. zusammen mit Kurt Schumacher inhaftiert. Und da habe Schumacher – wie Wilhelm seiner Tochter Lotte und seinem Neffen Reiner später erzählte – zu ihm gesagt: „Willi, wenn wir hier raus kommen, können SPD und KPD nur gemeinsam arbeiten.“
Nach 1945 war Wilhelm wieder für die

 

KPD tätig, u. a. als Landessekretär, als Gemeinderat der Stadt Stuttgart und auch als Landtags-Abgeordneter. Des weiteren war er Mitglied des Präsidiums der VVN sowie des Büros der Internationalen Förderation des Widerstandskämpfer (FIR); und fast ein Leben lang war er Mitglied der „Naturfreunde“.
Er starb 1971 an einer nicht erkannten Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung im Krankenhaus in Stuttgart.

Aus Briefen, die Wilhelm aus dem KZ Welzheim schrieb
8. Juli 1944, an seinen Bruder Emil, nach Ablehnung eines Gnaden-gesuchs: „Nun Bruder, wir sind nicht so klein, dass wir an dieser Enttäuschung zu Grunde gingen. Wir sind stark im Nehmen. Sonst wär ich schon lange kaputt, nicht wahr.“

13. August 1944, an seine Schwägerin Franziska: „... was kann man tun in unserer Zeit, als den Kopf mutig hochhalten ... und unser persönliches Schicksal im richtigen Verhältnis zu den sich begebenden Dingen um uns zu sehen.“

18. März 1945, an seine Schwägerin Franziska: „Ich denke, ein wenig Glück muss man doch haben. Und meine langen 10 Jahre Inhaftierung, so schwer sie auf mir lasten, will ich hinnehmen, wenn danach noch Tage kommen, an denen ich mit euch, meine Lieben, zusammen als freier Mensch leben darf.“

Reinhold Bechtle:
Fluchthelfer in die Schweiz, Tod im KZ Welzheim
Reinhold erlernte den Beruf eines Schneiders und war Mitglied der Textilgewerkschaft. Anlässlich des 1. Mai 1924 trat er dem kom-munistischen Jugendverband (KJVD) bei, später auch der KPD. Reinhold gründete zusammen mit seinem Bruder August den Arbeitersportverein Löchgau. Um Geld für den Kauf des Sportgeländes zu bekommen, wurden symbolisch Bausteine an die Bevölkerung verkauft. Die Nazis verboten den Verein und eigneten sich das Sportgelände an. Reinhold war nach 1933 Kopf einer Wider-standsgruppe von kommunistischen Funktionären, die einen illegalen Weg in die Schweiz organisierten. Es ging darum, gefährdete Menschen ins Ausland, aber auch Flugblätter gegen den Faschismus von dort zurück zu bringen.

 

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