Familie Bechtle aus Löchgau:

Widerstand und Verfolgung
einer württembergischen Familie

Von Madleine Grünwald und Reinhold Bechtle

„Familie Bechtle sucht ihre Vergangenheit, auch im ehemaligen Ulmer KZ“, lautete in der Nummer 39 der Mitteilungen die Bildunterschrift zu nebenstehendem Foto (A-DZOK, Bechtle 2003). Es zeigt 15 Mitglieder der Familie Bechtle, die am 2. Mai 2003 zu Besuch in der Ulmer Gedenkstätte auf den Spuren ihrer Verwandten waren. Reinhold, Wilhelm (Willi) und Emil Bechtle hießen die drei Brüder aus Löchgau im damaligen Kreis Besigheim, die als KPD-Mitglieder Widerstand gegen die Nazis geleistet hatten und nach der Machtübernahme der Nazis u.a. auch in das Ulmer Konzentrationslager verschleppt wurden. Wilhelm und Reinhold Bechtle waren in allen drei württembergischen KZs, am Heuberg, auf dem Kuhberg und in Welzheim.
Nach dem Besuch versprachen die Bechtles, Erinne-rungsstücke und Dokumente zusammenzusuchen: für die eigenen Enkel und für die interessierte Nachwelt – aufzubewahren im Archiv des Dokumentationszentrums. Es kam aber noch mehr als das Erbetene: nämlich eine Dokumentation über all das zur Familie, was in der Erinnerung und einigen Publikationen (z. B. Julius

 
 

Schätzles  „Stationen zur Hölle“) zu fi nden war. Der Großteil des Berichtes ist hier widergegeben. Autoren sind Madleine Grünwald (auf dem Foto achte von links), Tochter von Hermine, und Reinhold Bechtle (zweiter von rechts), Sohn von Emil Bechtle.

 

Die Eltern Wilhelm und Luise
und ihre sieben Kinder
Wilhelm Bechtle sen. (25.5.1871-27.5. 1918) und Luise Rosine Bechtle, geb. Weis (28.9.1873-15.8.1938) heirateten 1901.

Sie hatten sieben Kinder:
Mathilde (23.9.1902 – 27.2.1996),
Luise (29.6.1904 – 18.9.1977),
Wilhelm (1.2.1906 – 17.8.1971),
Reinhold (27.3.1907 – 13.1.1938),

 

Emil (22.12.1908 – 10.2.1990),
August (23.6.1912 – 14.2.1997),
Hermine (8.9.1918, lebt in Löchgau).

Der Vater Wilhelm war ein aufrechter Sozialdemokrat und entschiedener Kriegsgegner. Er wurde 1912 in Folge von Äußerungen gegen den König von Württemberg wegen Majestätsbeleidigung verurteilt. Trotz seiner Kriegsgegnerschaft wurde er zum Kriegsdienst gezwungen, erkrankte dort schwer und starb 1918 an den Folgen dieser Krankheit.

Die Mutter Luise war Ende des 1. Weltkriegs, nach dem Tod ihres Mannes, in der Vereinigung der Kriegsopfer und Hinterbliebenen tätig.
Wilhelm Bechtle sen. besaß in Löchgau einen Kolonialwarenladen, der nach seinem Tod von seiner Frau Luise weitergeführt wurde. Seinem Wunsch entsprechend hat Luise es allen sieben Kindern ermöglicht einen Beruf zu erlernen.

 

Mutter Luise mit ihren sieben Kindern im Jahr 1931(von links): Reinhold, Mathilde, Emil, Mutter Luise, Hermine, August, Luise, Wilhelm (DZOK-A, Bechtle 2003)

 

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