geworden und habe die Familie fortgeschickt, ohne dass Sinkovec mit ihnen sprechen konnte [21 ].

Auflösung des Häftlingskommandos
Nach Conrad Klugs Angaben wurde das Kommando Unterfahlheim im Sommer 1944 aufgelöst. Léon Florijn, ehemaliger Häftling, soll sich geweigert haben, auf einem Militärgelände in Leipheim zu arbeiten, weswegen er und die anderen Zeugen Jehovas ins Konzentrationslager Dachau zurückbeordert und anschließend als Strafmaßnahme in das Außenkommando Sudelfeld, im oberbayerischen Voralpenland, gebracht wurden [22].
Doch scheinen in Unterfahlheim auch nach diesem ersten Häftlingskommando noch weitere Häftlinge an den Fischteichen gearbeitet zu haben. Laut dem Internationalen Suchdienst wurde das Unterfahlheimer Außenkommando erst kurz vor der Besetzung durch die amerikanischen Truppen am 25.4.1945 aufgelöst und die Häftlinge ins KZ Dachau zurückgebracht. Auch Einwohner von Unterfahlheim berichten, dass KZ-Häftlinge bis "kurz vor Schluss" vor Ort geblieben wären [23].

Viele Fragen sind ungeklärt:
Wie viele KZ-Häftlinge waren zu welchem Zeitpunkt in diesem Kommando, und wer waren diese Häftlinge beziehungsweise woher kamen sie? Wer waren die Wachposten dieses Kommandos, und hat es vielleicht noch andere Kontakte zu Bewohnern in Unterfahlheim gegeben?

Nach1945
Die Fischzucht von Dr. Karl Rühmer bestand nach Kriegsende noch bis in die 60erJahre am selben Ort, bevor sie vom Landkreis Neu-Ulm gekauft und das Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde.
Im Jahr 1 973eröffnete die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg Vorermittlungen zum Nebenlager Neu-Ulm, um der Frage nachzugehen, ob es in diesem Lager zu Misshandlungen oder Tötungsdelikten gekommen sei [24]. In diesem dünnen Akt befinden sich keine grundlegend neuen Erkenntnisse, außer einer Namensliste von drei ehemaligen

 

 

Häftlingen dieses Kommandos, die vom Internationalen Suchdienst dem Kommando Unterfahlheim zugeordnet werden konnten. Das Verfahren in Ludwigsburg wurde 1975eingestellt, weil die Verhältnisse dieses Außenlagers nicht mehr erhellt werden konnten und aufgrund von Zeugenaussagen nicht anzunehmen war, dass es zu Tötungshandlungen in Unterfahlheim gekommen ist.
Heute erinnert nichts mehr an dieses Außenlager in Unterfahlheim. An einem der Fischteiche steht noch eine verfallene Holzhütte, in der die alten Fischereigeräte und Fischbehälter langsam verrotten. Die Wohnbaracken stehen nicht mehr auf dem Gelände. Eine weitere Holzhütte, in der in den 80er Jahren noch Unterlagen zur Rühmer'schen Satzzuchtanlage [25] gefunden wurden, ist heute verschwunden. Das gesamte Gelände ist völlig eingewachsen und von Schilf überwuchert.

Anmerkungen:

[1] Zum Gesamtkomplex Konzentrationslager Dachau siehe: Zámecnik, Stanislav, Das war Dachau, Luxemburg2002.
[2] Kaienburg, Hermann, Die Wirtschaft der SS, Berlin 2003, S. 822-828.
[3] Jacobeit, Wolfgang; Kopke, Christoph, Die Biologisch- Dynamische Wirtschaftsweise im KZ. Die Güter der "Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung" der SS von 1939 bis 1945, Berlin 1999, S. 26-27.
[4] Kaienburg, Hermann, Die Wirtschaft der SS, Berlin 2003, S. 823; ebenso BArch Berlin, BDC-Akte Rühmer.
[5] Aussage von Rühmer, Karl; Nürnberg, 7.2.1947; NO- 1931.
[6] Kaienburg, Hermann, Die Wirtschaft der SS, Berlin 2003, S. 826.
[7] Briefe von Johannes Vanloo vom 10.10.1984 und 17.10.1984; DZOK R 1 101.
[8] Gesprächsnotiz von Kurt Fahrner mit Hans Enderle, am 2.1. und 7.1.1983; DZOK R 1 101.
[9] Brief von Johannes Vanloo vom 17.10.1984; DZOK R 1 101.
 

 
  [10] Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer SS (1933-1945), erstellt vom Internationalen Tracing Service, Arolsen 1979, S. 89.
[11] Summary of Léon Edouard Florijn, n. d.; Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Zweigstelle Belgien.
[12] Liste mit dem Stand der Bibelforscheram 19.4.1944; DaA A 560.
[13] Bericht von Conrad Klug, Flensburg, 5.2.1954; Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters Dok 05/02/54.
[14] Gesprächsnotiz von Kurt Fahrner mit Heinrich Seißler, 27.12.1982; DaA A 412.
[15] Georg, Enno, Die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS, S. 65
[16] Ergebnis einer Recherche zu Unterfahlheim in der Datenbank der Häftlingskartei in der KZ-Gedenkstätte Dachau; Stand: 9.9.2003, Ausdruck im DZOK Rl 101.
[17] Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus siehe: Hesse, Hans (Hg.), "Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas. "Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus, Bremen 2000, und Garbe, Detlev, Der lila Winkel. Die "Bibelforscher'in den Konzentrations-lagern, in: Dachauer Hefte, Bd. 10, 1994, S. 3-31.
[18] Enderle, Hans, Oberfahlheim mit Glassenhart - Unterfahlheim. Zwei Dörfer und ihre Geschichte in alter und neuer Zeit, Langenau u. a. 1987, S. 369.
[19] Bericht von Conrad Klug, Flensburg, 5.2.1954; Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters Dok 05/02/54.
[20] Enderle, Hans, Oberfahlheim mit Glassenhart - Unterfahlheim. Zwei Dörfer und ihre Geschichte in alter und neuer Zeit, Langenau u.a. 1987, S. 369.
[21] Sinkovec, Stane, "Dachau", Lubljana 1981.
[22] Bericht von Conrad Klug, Flensburg, 5.2.1954; Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters Dok 05/02/54.
[23) Enderle, Hans, Oberfahlheim mit Glassenhart - Unterfahlheim. Zwei Dörfer und ihre Geschichte in alter und neuer Zeit, Langenau u.a. 1987, S. 369.
[24] ZStL IV 410 AR 153/73; Kopie im
DZOK Rl 101.
[25] Dabei handelt es sich um alte Frachtbriefe für lebende Fische und eine Ausgabe eines Buches von Karl Rühmer über Geschichten aus der Fischzucht. Die Unterlagen befinden sich im DZOK R 1 101.
 

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