Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg

Häftlingszahlen

Die Gesamtzahl der im KZ Oberer Kuhberg Inhaftierten kann angesichts einer sehr schwierigen Quellensituation nicht genau beziffert werden. Zusammenhängende Listen mit Häftlingsnamen oder Berichte über die Belegung des Lagers aus der NS-Zeit gibt es nicht, denn sowohl die Akten der Württembergischen Politischen Polizei als auch die Unterlagen der KZ-Kommandantur sind nicht überliefert. Es existiert lediglich eine verstreute staatliche Aktenüberlieferung sowie die Berichterstattung der zeitgenössischen Presse. So müssen die Informationen zu den Häftlingen mühevoll aus verschiedensten Materialien rekonstruiert werden.

Häftlinge des KZ Oberer Kuhberg

Rekonstruktion der Häftlingszahlen

Wertvolle punktuelle Hinweise liefern Quellen, die nach 1945 entstanden sind. Dazu gehören Wiedergutmachungsakten, Justizakten, Erinnerungsberichte sowie Dokumente, die von Verfolgtenorganisationen wie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) zusammengetragen wurden. Um exakte Häftlingszahlen zu rekonstruieren, sind diese Quellen jedoch nur eingeschränkt zu gebrauchen. Hinzu kommt das Problem, dass Menschen, die von den Nationalsozialisten als nicht „gemeinschaftsfähig“, „kriminell“ oder „asozial“ verfolgt wurden, nach 1945 weitgehend zu ihrer Inhaftierung und Behandlung im Lager geschwiegen haben, so dass es für diese Häftlingsgruppe sehr viel weniger Zeugnisse gibt. Auch zu Häftlingen, die während der NS-Zeit verstarben und keine Angehörigen hinterließen, sowie zu denen, die nach 1945 nicht mehr in Württemberg lebten, finden sich nur wenige Quellen.

Angesichts der beschriebenen Quellenproblematik schwanken die Schätzungen zur Gesamtzahl der Häftlinge im frühen KZ Oberer Kuhberg zwischen 500-600 und etwa 1.800. Der „Ulmer Sturm“ nannte am 30.7.1935 anlässlich der Auflösung des KZ sogar die Gesamtzahl von 3.020 Menschen. Als gesichert darf gelten, dass etwa 300 Häftlinge im November/Dezember 1933 aus dem Vorgängerlager Heuberg bei Stetten am kalten Markt in das Fort Oberer Kuhberg gebracht wurden, was der maximalen Belegungsstärke des Lagers entsprach. Die Mehrheit der Häftlinge war etwa sechs bis zwölf Wochen im Ulmer KZ inhaftiert. Bei deutlich mehr Entlassungen als Neueinweisungen verringerten sich die Häftlingszahlen von 300 im Dezember 1933 auf 30 im Juli 1935. Wie hoch die Zahl der Neueinweisungen war, lässt sich nicht exakt ermitteln.

Kontinuierliche Recherchen

Seit seinen Anfängen sammelt das DZOK Quellen aus unterschiedlichsten Provenienzen, um die Häftlingszahlen und -biographien zu rekonstruieren und seriöse Auskünfte geben zu können. In seinem Archiv befindet sich heute eine umfassende biographische Sammlung zu Häftlingen der frühen württembergischen Konzentrationslager Heuberg und Kuhberg mit hunderten Berichten, Fotos und Erinnerungsstücken, die gleichwohl noch viele Lücken enthält, denn systematische Forschungen waren nur im Zuge einzelner geförderter Ausstellungen und Archivprojekte möglich. Die Basis für die heutige Datenbank legten Myrah Adams, Markus Kienle und Dr. Silvester Lechner in den 1990er Jahren.

Archivmaterial